Schutzmaßnahmen in Krieg

von Fred Knauth

 

Bereits nach Ausbruch des Krieges 1939 bis 1945 wurde die Bevölkerung auf einen eventuellen Bombenkrieg vorbereitet. So wurde auch in Markwerben ein Luftschutzwart eingesetzt, der nach einer Schulung sein Wissen an die Bürger weitergeben musste. Es gab damals keinerlei Erfahrung und so wurde der von der Regierung geforderte Luftschutz von den Einwohnern nicht ernst genommen. Es musste in den Häusern Löschwasser, Löschsand und das erforderliche Gerät bereitgestellt werden. Auf den Dachböden musste auch eine Feuerpatsche vorhanden sein. Das war eine Holzlatte mit einem Sack oder einem großen Lappen. Dieses Gerät sollte bei der Brandbekämpfung in Wasser getaucht und der Brandherd damit bekämpft werden. Später wurden dann Handdruckspritzen ausgegeben. Diese Spritzen mussten in einen Wassereimer gestellt werden und durch kräftiges Pumpen konnte man etwa 10 Meter weit spritzen. Dieses Gerät war zur Bekämpfung von Brandbomben vorgesehen. Zum Schutz vor Sprengbomben sollten die Menschen die Keller aufsuchen. Die Keller unter den Häusern waren jedoch nur in den seltensten Fällen als Schutzraum geeignet. Keinen Schutz gab es gegen die Phosphorbomben und die Luftminen.

Mit Verlaufe des Krieges spielte der Luftkrieg eine immer größere Rolle. Neben militärischen Zielen und Industrieanlagen wurden viele deutsche Städte zerstört und die Menschen getötet. Es war die Frage, wann fallen die ersten Bomben auf Markwerben?

Hinter dem Geschäft der Familie Winter in der Roßbacher Straße und hinter der Salpeterhütte waren Bomben gefallen, die jedoch keinen Schaden verursacht hatten.

Der Schutz der Menschen war mehr als mangelhaft. So begann man, die natürlichen Gegebenheiten zu nutzen. Es gab schon einzelne kleine Keller in den Bergen und jetzt begann man, gezielt Stollen in den Berg zu treiben. Die Gänge im Kohle- und Erzbergbau dienten als Vorbild. Kein Bürger  hatte praktische Erfahrungen und es wurde auch keiner als Leiter eingesetzt. Mit viel gutem Willen und Mut wurde im Gehöft der Familie Nebelung in der Schulstraße begonnen. Nur die Angst vor einem Bombenangriff trieb die Menschen an. Es gab kein technisches Gerät, keine Vermessung und keine korrekte Planung. Als Werkzeuge dienten nur Hammer und Meißel, eine Schaufel und einige alte Eimer. Mit diesen wurde der abgebrochene Fels abtransportiert. Der Verschleiß an diesen Werkzeugen war groß. Ständig mussten die Meißel geschärft und die Hammerstiele öfter erneuert werden. Das Werkzeug kam aus Privatbeständen der Bürger.

Die Einstellung zur Arbeit war mustergültig. Vor Ort arbeiteten die Männer und für den Abtransport des Abraums waren die Frauen und Jugendlichen zuständig.

Diese schwere körperliche Arbeit mit Hammer und Meißel war für alle Beteiligten eine ungewohnte Tätigkeit und es kam schnell zu Ermüdungserscheinungen. Es musste also oft der Arbeitsplatz gewechselt werden. Mehrere in den Leunawerken beschäftigte Männer wurden von diesem Betrieb freigestellt und es ging zügig voran.

Es stellten sich jedoch bald einige beträchtliche Mängel ein. Es gab keine sichere elektrische Beleuchtung und das Hauptproblem war die Belüftung. Obwohl der Stollen noch nicht fertig war, suchten bei Fliegeralarm schon die ersten Menschen darin Schutz. Die Luft war schon nach kurzer Zeit verbraucht. Weiterhin kamen Bedenken auf, wenn der Eingang durch Bombenabwurf verschüttet wird oder durch Erschütterung Gestein vom Berg herab fällt, sind die Menschen im Stollen eingeschlossen. Die Lösung war, einen zweiten Eingang zu bauen. Etliche Meter neben dem ersten Eingang wurde mit dem Bau eines zweiten Stollens begonnen. Wieder wurde ohne Vermessung und  fachmännische Kenntnisse begonnen. Es ging auch hier zügig voran. Im Berg gab es jedoch ein natürliches Navigationsmittel. Die Hammerschläge konnte man über viele Meter von der anderen Seite hören. So wurde die Richtung nach Absprache festgelegt. Beim Zusammentreffen der beiden Stollen gab es nur einen Höhenunterschied von ca. 20 cm. An diesem Tag wurde mit einem Kasten Bier tüchtig gefeiert.

Der Bunker auf dem Grundstück Nebelung in der Schulstraße war der erste und größte. Beim Bau der anderen Bunker wurde er als Vorbild genommen.

Es wurden in Markwerben noch weitere Stollen in die Berge getrieben. So bei Familie Sarau hinter der Kirche, in der Bergschule in der Schulstraße, bei Familie Müller in der Rodelbahn, gegenüber der Familie Wiefel auch in der Rodelbahn und etwas höher gegenüber dem Weg zum Friedhof. Am Turmweg gegenüber der Familie Tannenberg und unterhalb vom Aussichtsturm. Weiterhin am Grundstück der Familie Barthel und gegenüber vom Haus Döring.

Nach dem Krieg waren die Stollen ein idealer Abenteuerspielplatz für die Kinder. Später gab es eine Weisung, dass diese Stollen zugeschüttet werden mussten. Eine Epoche Markwerbener Geschichte ging so zu Ende.

Fakten zu Markwerben

Seit dem 1.1.2010 Ortsteil von Weißenfels.

Amtliche Bezeichnung: Stadt Weißenfels - OT Markwerben

Einwohner (Stand Januar 2016): 613

Fläche: 3,77 km²

Postleitzahl: 06667

Vorwahl: 03443

KFZ-Kennzeichen: BLK / WSF

Ortsbürgermeister: Günter Fabig - Salpeterhütte 9

Koordinaten:

Länge: 11.9333/ 11° 55` 60“

Breite: 51.2167/51° 13` 0“

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