Abriss zur Markwerbener Geschichte

Die Gemarkung der Ortschaft Markwerben wurde schon in ur- und frühgeschichtlicher Zeit besiedelt. Davon zeugen die archäologischen Funde, die Ende des 19. Jahrhunderts und am Anfang des 20. Jahrhunderts durch den Natur- und Altertumsverein aus Weißenfels gemacht wurden. So konnten aus Grabhügeln, die nahe der Salpeterhütte zu finden waren, Keramikgefäße und Steingeräte geborgen werden, die rund 7.000 Jahre alt sind. Diese Zeitepoche wird als Frühneolitikum bezeichnet. Die Siedlungsschwerpunkte waren die fruchtbaren Saale-Terrassen in der Nähe einer Wasserstelle oder einer Quelle. Auch Funde aus der Bronzezeit wurden ausgegraben. Aus den darauf folgenden Zeitepochen sind keine Funde bekannt. Erst wieder im 9. Jahrhundert, mit der Errichtung der karolingischen Burganlage auf dem Gotthardsberg, trifft man auf  Hinterlassenschaften dieser Zeit. Im so genannten Hersfelder Zehntverzeichnis aus dem 9. Jahrhundert wird die Burganlage erstmals schriftlich festgehalten. Die Befestigung in Markwerben wird in dem Verzeichnis, gleich der Befestigung in Burgwerben, als Uuirbina bezeichnet.

Saale und Elbe bildeten im 8.-9. Jahrhundert die Ostgrenze des Fränkischen Reiches. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Befestigungsanlagen.  

Die Burganlage gehörte zu einer Reihe von Befestigungen die linksseitig der Saale die Grenze zwischen Sorben und den Fränkischen Reich sicherten. Es ist davon auszugehen, dass die Burg und die dörfliche Siedlung schon viel früher vorhanden waren. Aus den bekannten geschichtlichen Tatsachen ist klar, dass die Eingliederung des Landes westlich der Saale und der mittleren Elbe in das fränkische Reich schon im Jahre 780 vollendet war.

Die Burganlage liegt auf dem Ende einer nach Westen vorspringenden Bergzunge unmittelbar nördlich des Dorfzentrums. Die Anlage wurde an der Süd- und Westseite durch einen tiefen, ursprünglich vielleicht natürlichen, jetzt als Hohlweg benutzten Graben geschützt. Die Größe der Burganlage beträgt ca. 90 x 180 Meter. Eine Terrasse trennt einen kleinen östlichen Teil von einem größeren westlichen. Auf der weiter östlich sich verbreiternden Bergzunge ist durch einen gebogenen Graben noch eine Vorburg abgetrennt, in die eine deutliche Erdbrücke hineinführt. Unter dieser Brücke soll nach einer Sage ein goldenes Kalb vergraben sein. Ein Erdwall mit einer aufgesetzten Holzpalisade umschloss das Areal.

Wie lange die Befestigung genutzt wurde ist nicht bekannt, dazu fehlen die entsprechenden schriftlichen Hinweise, sowie Befunde und Funde. Eine archäologische Ausgrabung könnte  eventuell zur Klärung beitragen. Man muss aber davon ausgehen, dass die Burganlage spätestens im 11. Jahrhundert aufgegeben wurde.

In der Zeit des Bestehens der Burganlage hatten sich im Umfeld Bauern niedergelassen und eine Siedlung gegründet. Mit der Zeit wuchs die Siedlung zu einem Dorf mit so vielen Einwohnern heran, dass am Ende des 12. Jahrhundert Anfang des 13. Jahrhundert eine Kirche errichtet wurde. Die Kirche wurde 1231 in einem Schreiben erwähnt. Die so genannte Pfarrkirche hatte noch drei Filialkirchen, und zwar Obschütz, Reichardtswerben und Busendorf (später Posendorf). Im Zuge der Reformation (der erste evangelische Gottesdienst wurde in Weißenfels am 3. Juni 1539 gehalten) gab es auch Veränderungen in den Zuständigkeitsbereichen der einzelnen Kirchen. In diesen Zusammenhang wurden 1555 Reichardtswerben und Posendorf von Markwerben getrennt.

Ebenfalls im Jahre 1231 erwarben die Ritter aus dem Geschlecht der Knuths ( Familienbezeichnung: Knutonen) Besitzungen in Markwerben und bauten es in den darauf folgenden Jahrzehnten zu einem Rittergut aus. Erstmals wird 1140 ein Heinrich mit dem Zunamen Knot zu Lanibach an der Traun im Reisegefolge Bischof Emmerichs von Würzburg erwähnt. 1312 wird ein Albrecht Knut zu Markwerben in einer Urkunde als Zeuge genannt. Das einst berühmte thüringische Adelsgeschlecht Knauth (Knaut, Knut, Knuten, Knute, Knuit) hatte wahrscheinlich mit Knutonen einen gemeinsamen Stammvater. 1294 werden die Knauths als Burgmannen der Burg-Scheidungen und als Bambergische Vasallen bezeichnet und als auf Kirch-Scheidungen gesessen genannt. Von Bamberg aus hatten sie weitere Lehnstücke  und Güter in Steigra, Mücheln, Muttlau, Großkorbetha, Ober- und Untergreißlau und Albersroda, um nur einige zu nennen, erworben.

Im 14./15. Jahrhundert gab es noch ein weiteres Rittergut, welches in der älteren Literatur auch als Sedler- oder Siedelhof bezeichnet wird. Der letzte Besitzer, Gerhard von Wolftitz, hatte keine lehnsfähigen Erben und so fiel das Gut an den Landesfürsten Churfürst Friedrich. Dieser verkaufte es 1437 an die Stadt Weißenfels.

Von der Kirche ist aus der Entstehungszeit nur  noch der romanische Chorturm erhalten geblieben. Das Kirchenschiff wurde im Dreißigjährigen Krieg (1631) durch Soldaten zerstört und abgebrannt. Erst über einhundert Jahre später war genügend Geld vorhanden das Kirchenschiff neu zu errichten. Die Jahreszahl 1741 über dem Eingangsportal erinnert daran. Der erhaltene Turm bekam ebenfalls eine neue barocke Haube. Heute ist auch nur noch ein kleiner Teil des ehemaligen Gottesackers (Friedhof) an der Kirche erhalten. Platzmangel und hygienische Gründe gaben Ende des 19. Jahrhundert den Anlass, einen neuen Friedhof außerhalb des Dorfzentrums anzulegen. Am 10. Juni 1886 wurde der Friedhof feierlich eingeweiht.

Im 14./15. Jahrhundert war die Gemarkung des Dorfes bedeutend größer als heute. So gehörten Teile der heutigen Weißenfelser Neustadt, die Scharfrichterei und die Brückenmühle mit zu Markwerben. 1437 kam das Dorf in den Besitz des Kurfürsten Friedrich von Sachsen, der es an die Stadt Weißenfels weiterverkaufte. Nur einige Jahre später, und zwar 1454, konnte man sich wieder aus dem Kaufvertrag herauslösen, nunmehr aber mit einer stark verkleinerten Gemarkung. Man kann davon ausgehen, dass bis zu diesem Zeitpunkt die dörfliche Infastruktur voll ausgebildet war. Kirche, Wirtshäuser, Handwerker, Backhaus (Bäckerei) und Bauerngehöfte prägten das Dorfbild. Neben der Landwirtschaft und der Viehzucht wurde auch Weinbau betrieben. Davon zeugen heute noch die zum Teil erhaltenen Terrassen an den Südhängen in der Ortschaft und das ehemalige Weingut zwischen Markwerben und Weißenfels. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts waren noch zwei repräsentative Wohnhäuser des Weingutes zu bewundern. Leider wurden diese abgerissen. Erhalten geblieben ist nur noch die gewaltige Kelleranlage des Haupthauses. Am Niedergang des Weinanbaues sollen zum einen die Befreiungskriege 1813-15 beigetragen haben sowie die am Ende des 19. Jahrhundert grassierende Reblausplage.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde etwas außerhalb des Dorfkerns eine Salpetersiederei erbaut. 1528 lieferte man schon 21 Zentner Salpeter an die kurfürstliche Regierung in Dresden. Eine Jahresproduktion von ca. 40 Zentnern ist anzunehmen. In einer Akte werden folgende Arbeiter genannt: ein Meisterknecht, eine Helferknecht und ein Fuhrknecht. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört, versuchte man nach Beendigung des Krieges vergeblich mit der erneuten Produktion  von Salpeter zu beginnen. Mehrere Versuche scheiterten und 1755 wurde das Grundstück zwangsversteigert und zu einen Vorwerk umgestaltet. Das Haupthaus ist erhalten geblieben und die Siedlung wird heute noch als Salpeterhütte bezeichnet.

Während des Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) hatte das Dorf unter den durchziehenden Truppen schwer zu leiden. Oft muss es zu Plünderungen und zu Drangsalierungen der Bevölkerung gekommen sein. Die Kirche wurde bis auf die Grundmauern abgebrannt, nur der Chorturm blieb erhalten. Ähnlich muss es einzelnen Bauerngehöften ergangen sein. Selbst wenn das Haus noch stand, war es ausgeplündert und in einem ruinösen Zustand. Nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges begann man wieder das Dorf aufzubauen. Die landwirtschaftlichen Nutzflächen, die zum Teil nicht mehr bewirtschaftet waren,  wurden wieder nutzbar gemacht. Es dauerte Jahrzehnte, bis man wieder den Lebensstandard wie vor dem Dreißigjährigen Krieg erreichte.

Durch die nun folgende, über hundert Jahre währende Friedenszeit, konnte sich das Dorf  weiterentwickeln. Das Kirchenschiff wurde neu erbaut, zwei neue Kirchenglocken konnten in Magdeburg gegossen werden und mit dem Bau einer neuen Pfarrwohnung konnte begonnen werden. 1728 wurde eine neue Schulwohnung erbaut, in der auch Unterricht stattfand. Weitere Baumaßnahmen erfolgten, die aber nicht alle im einzelnen aufgeführt werden sollen.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763), auch Dritter Schlesischer Krieg genannt, bleibt Markwerben weit gehend von Plünderungen verschont. 

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam es  in Markwerben zu mehreren Überschwemmungen, die zum Teil großen Schaden anrichteten. Das erste Hochwasser wird 1752 erwähnt. Nur drei Jahre später erfolgte die nächste Überschwemmung. Weitere folgten im Jahre 1764, 1784, 1794 und 1799. Das Hochwasser 1799 war eine verheerende Naturkatastrophe die nicht nur Markwerben sondern alle Ortschaften entlang der Saale in Mitleidenschaft zog. Markwerben wurde besonders schlimm getroffen, kam doch gleichzeitig noch eine Brandkatastrophe hinzu die mehrere Häuser in Schutt und Asche legte.

1793 begann man mit dem Bau einer neuen Schule, da die alte nicht mehr ausreichte, um einen ordnungsgemäßen Unterricht abzuhalten. 1795 konnte endlich eine dritte Glocke für die Kirche in Laucha gegossen werden.

Die Befreiungskriege (1813/14) brachten abermals großes Elend über die Dorfbewohner. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig am 14.-19. Oktober 1813 lagerte in und um Markwerben die geschlagene französische Armee. Selbst Kaiser Napoleon ritt durch das Dorf um auf der Höhe (Gelände des heutigen Sportplatzes) nach den Verfolgern Ausschau zu halten. Die ehemalige Stelle, an der auch mehrmals Beratungen über das weitere Vorgehen stattfanden, ist heute noch mit Büschen und kleinen Bäumen gekennzeichnet.

Am Ende des 19. Jahrhunderts sollen an der Stelle noch  Akazien und Linden gestanden haben. Das Dorf wurde während des Rückzuges vollständig geplündert, wie zeitgenössische Kirchenakten berichten. Alles was brennbar war, wurde für die Lagerfeuer weggeschleppt. Was als wertvoll angesehen wurde, nahm man mit, ebenfalls alle Nahrungsmittel. Die Kirche wurde im Inneren total zerstört. Ein Großteil der Bevölkerung hatte sich rechtzeitig versteckt, so dass nur wenige Todesfälle zu beklagen waren. Insgesamt wurde der Gesamtschaden mit 31.052,38 Reichstaler angegeben.

Seit dem Jahre 1819 ist auch ein heimatlicher Brauch nachweisbar. Jährlich findet zu Kleinpfingsten das so genannte Eierbetteln statt. Schon nach dem Dreißigjährigen Krieg soll es diesen Brauch gegeben haben.

Der Grund für diesen Brauch ist nicht ganz geklärt. Zum einen meint man, dass nach den überstandenen Kriegsjahren (1618-1648) die neue Friedenszeit jedes Jahr gefeiert wurde. Eine andere und eher anzunehmende Variante ist die, dass man durch die vielfältigen Verkleidungen böse Geister, Krankheiten und Unheil von dem Dorf fernhalten wollte. Außerdem sollte gleichzeitig  der Frühling und der anschließende Sommer begrüßt werden. Als Symbol des wiederkehrenden Frühlings und der  neu erweckten Natur steht der Birkenbaum (im Volksmund auch Maie genannt). Vor jedem Haus wird zu Kleinpfingsten am (Sonnabend) eine Maie durch die Pfingstburschen aufgestellt. Schon im Vorfeld werden für das Eieressen  Eier, Wurst, Speck und Schinken bei den Einwohnern der Ortschaft eingesammelt.

In die Pfingstgesellschaft durften nur Verheiratete eintreten. In der heutigen Zeit wird diese Regelung nicht mehr so streng gehandhabt. Der Grund liegt darin, dass heute viele Paare nicht mehr heiraten und in eheähnlichen Gemeinschaften leben. Jeder neue Pfingstbursche muss vor Eintritt eine Taufe über sich ergehen lassen.

Das eigentliche Eierbetteln findet am Sonntag statt. Ab dem frühen Nachmittag ziehen die verkleideten Eierbettler durch das Dorf  und erbetteln bei den Einwohnern kleine Geldbeträge (das ist eine Besonderheit des Markwerbener Eierbettelns) die in einer Blechdose gesammelt werden. Zum Ausklang trifft man sich auf dem Dorfanger oder im Gemeindesaal, um zusammen den Tag ausklingen zu lassen.

Waren bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts die meisten Einwohner in der Landwirtschaft tätig, so änderte sich das mit der einsetzenden Industrialisierung.

Zwar war die Landwirtschaft weiterhin ein wichtiger Arbeitgeber, doch die Arbeit in einer Fabrik in und um Weißenfels nahm immer mehr an Bedeutung zu. Im ausgehenden 19. Jahrhundert stieg die Bevölkerungszahl in Markwerben ständig an. Gab es 1875 noch 398 Einwohner, waren es nur fünf Jahre später schon 472 Einwohner.  Im Jahre 1912 hatte sich die Einwohnerzahl fast verdoppelt auf 850.

Der 1. Weltkrieg brachte auch in Markwerben Not und Trauer. 32 Einwohner verloren ihr Leben auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen.

An diesem Abschnitt soll der Ausflug in die Geschichte des Dorfes Markwerben enden.

Fakten zu Markwerben

Seit dem 1.1.2010 Ortsteil von Weißenfels.

Amtliche Bezeichnung: Stadt Weißenfels - OT Markwerben

Einwohner (Stand Januar 2016): 613

Fläche: 3,77 km²

Postleitzahl: 06667

Vorwahl: 03443

KFZ-Kennzeichen: BLK / WSF

Ortsbürgermeister: Günter Fabig - Salpeterhütte 9

Koordinaten:

Länge: 11.9333/ 11° 55` 60“

Breite: 51.2167/51° 13` 0“

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