Ein Plan von 1798 des Lazerischen Weingutes in Markwerben und dessen Geschichte

Von Mike Sachse (2000)


Heute wird in Markwerben kein Weinanbau mehr betrieben. Kaum etwas ist von den ehemaligen Anbauflächen noch zu erkennen. Zwar kann man hier und da noch die ehemalige Terrassierung, die für den Anbau des Weines angelegt wurde, erkennen, doch leider sind auch die ortsprägenden Weinberghäuser, am Ortseingang, in den letzten 10 Jahren den Abriß zum Opfer gefallen. Diese Gebäude gehörten zu einem ehemaligen Weingut, welches im 18.Jh. seine höchste Blüte erlebte.
Der Weinanbau hat in unserem Gebiet eine sehr lange Tradition. So konnte 1998 vielerorts   das Jubiläum 1000 Jahre Weinanbau an Saale und Unstrut gefeiert werden. Durch die günstigen klimatischen Bedingungen war eine wichtige Voraussetzung für den Weinanbau gegeben und schon früh erkannt worden. Durch die Gründung zahlreicher Klöster in der Umgebung konnte sich der Anbau von Wein rasch ausbreiten. Die Nonnen und Mönche   verbesserten immer weiter den Anbau sowie die Qualität der Weinsorten. So wird auch in Markwerben schon früh mit dem Weinanbau begonnen worden sein.
Zwar kann man den ersten schriftlichen Nachweis für den Weinanbau in Markwerben erst 1437 nachweisen, doch ist anzunehmen, daß schon im 11./12.Jh. der Weinanbau betrieben wurde. So sind nicht nur am ehemaligen Weingut die Trockenmauern aus Sandstein und Terrassen noch zu erkennen, sondern, wie oben schon erwähnt, an vielen Hängen die sich durch Markwerben bis Obschütz und Storkau ziehen.  Am intensivsten und am längsten wurde der Weinanbau am ehemaligen Weingut betrieben. So gehörten nicht nur ein Wohnhaus, sondern auch entsprechende Kelleranlagen zur Lagerung des Weines dazu. Eine Weinpresse die zu dem Gut gehörte und bis 1967 in einer Scheune des Grundstückes stand, wurde im gleichen Jahr auf die Leuchtenburg ausgelagert und kann da in einer ständigen Ausstellung besichtigt werden.

Weinpresse, 17. Jahrhundert

Rechts kleines Weinberghaus, links Scheunen, in einer der beiden stand die Weinpresse.


Durch den 30jährigen Krieg kam der Weinanbau fast zum Erliegen. Anzunehmen ist, daß nach Kriegsende der Weinanbau wieder verstärkt betrieben wurde. Seinen Höhepunkt erlebte der Markwerbener Weinanbau dann im 18.Jh. In dieser Zeit sind durch den neuen Besitzer, den Kammer- Kommissionsrat und Amtmann Johann Gottfried Lazer, neue barocke Häuser und sogar ein kleiner „Lustgarten“ angelegt und mit Skulpturen und reich verzierten Steinvasen versehen worden. Bis dahin stand nur ein einzelnes Weinberghaus im östlichen Teil des Weinberges, wie auf einem Plan von 1757 zur erkennen ist.
Von wem Lazer das Gut erworben hat, konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. G. E. Otto geht in seiner 1796 erschienen „Geschichte und Topographie der Stadt u. Amtes Weißenfels“ davon aus, daß das ehemalige Lehnsgut zum Besitz des Rittergutes Wolftizsch gehörte und später an den von Dankelmann verkauft ? wurde. Von diesem soll es J. Gottfried Lazer erworben haben. (G. E. Otto schreibt dazu, daß das Grundstück in einen sehr verwilderten Zustand gewesen sein soll. Zusammengesetzt war das Grundstück aus den Weinbergen von den vormaligen Besitzern Dennhardt, Günther und Ratsmann. Nach Ottmar Schröter soll die Familie Dennhardt das Grundstück später wieder zurückgekauft haben, und zwar vom Sohn von Lazer.)Er vergrößerte es durch Ankäufe von Grundstücken, die sich unmittelbar anschlossen (Den Weinberg der Familie Dennhardt erwarb Lazer im Jahre 1767. Er ließ den Berg mit Burgunder edelster Sorte aufreben. Der Wein muss sehr gut gewesen sein, denn es soll Kurfürst Friedrich August bei seinem Aufenthalt in Weißenfels eine Flasche „Dennhardt“ des Jahrganges 1779 getrunken  und im sehr gut gemundet haben.). Sein Bestreben, das Lehnsgut in ein Erbgut umzuwandeln, erreichte er im Jahre 1779/80 (Dazu liegen im Staatarchiv Magdeburg mehrere Akten, die aber noch nicht eingesehen wurden.). Dazu erwarb er noch die Niederjagd für das Grundstück. Nach besagter Umwandlung soll noch einmal  eine verstärkte Bautätigkeit erfolgt sein, deren Ergebnis auf einem Plan von 1798 zu erkennen ist.

 

Ausschnitt aus dem Plan von 1798


In der neueren Literatur werden als nächste Eigentümer der Floßinspektor Herr Dennhardt und darauffolgend Herr Schröter genannt (Diese Angaben konnten nicht Überprüft werden, da dazu keine Quellenangabe erfolgte. Auch sind die weiteren Angaben mit Vorsicht zu genießen. Da wird Herrn Schröter das Grundstück bis ca. 1840 zugesprochen. Darauf folgt der Besitzer Sauer, der untere anderen ein russisches Dampfbad einrichtete. Dieser hatte aber nur das sogenannte Schenkhaus gepachtet). Das Russische Dampfbad  welches sich Zeitweise im sogenannten Schenkhaus befand, wurde durch Herrn Sauer eingerichtet (Ab wann er genau das Schenkhaus pachtete ist nicht bekannt. Doch muss es schon vor 1829 erfolgt sein, da nachweislich der Dramatiker Adolf Müllner das Dampfbad des öfteren aufgesucht hat. Dieser verstarb schon 1829.). Es muss in seiner Zeit so bedeutend gewesen sein, das es sogar in den “Improvisierten poetischen Panorama von Weißenfels“ von August Böhringer verewigt wurde (August Böhringer, „Improvisiertes poetisches Panorama von Weißenfels“, Magdeburg 1833 ). Darin heißt es:


In des Nordens Eisgefilde,
Mehr denn als im Land der Milde,
Ist ein Dampfbad nötig oft,
Von dem mancher Kranke hofft,
Das ihm mög` auf dieser Erden
Die gewünschte Hülfe werden;
Hier ist solches auch zu finden.
Nun, ich wünsch` von Herzens Gründen:
Fern mög` blühend es gedeih`n,
Manchem noch recht nützlich sein!

Am Ende des 19.Jahrhunderts erwarb die Familie Morus das Grundstück, die es bis 1945 im Besitz hatte. In der Zeit zwischen 1945 und 1991 wurden beide Häuser als Wohnhäuser genutzt. 1994 konnte es durch Angehörige der Familie Morus (heute Fischer) zurück- erworben werden. Das bis dahin bewohnte Haus war noch in einem recht guten Zustand. Ein rapider Verfall begann mit dem Leerstand des Hauses, der mit dem Abriss endete (Darauf wird auch im Zeitungsartikel von Fred Knauth eingegangen.).


Über die neue Gestaltung des Grundstückes gibt der Plan aus dem Jahre 1798, welcher durch den Feldmesser Johann Gottlob..... für die Witwe des inzwischen verstorbenen Kammer- Kommissionsrat Lazer angefertigt und gezeichnet wurde, Auskunft (Der Plan befindet sich in den Beständen des Städtischen Museum Weißenfels ). Dieser Plan besticht einerseits durch seine unglaubliche Detailtreue und zum anderen durch die gute Erläuterung der einzelnen Gebäude.
Das Gebäude welches 1999 bis auf die Kelleranlage abgerissen wurde (im Plan mit A bezeichnet) wird als Wohnhaus mit Kellerei benannt.  Die Kelleranlage besteht aus einem Stollen (ca. 15,0 m lang , 2,13 m breit und 2,31 m hoch) welcher, in einem kreisrunden Keller mit Mittelstütze endet ( Die auch noch heute verbreitete Meinung, dass ein Pferdefuhrwerk in dem Keller herumfahren könnte, stimmt zwar von der Aussage her, da der Durchmesser des Kellers ca.19,0 m beträgt die der Mittelsäule 6,32 m, doch dürfte der Stollen, der die Einfahrt mit dem Keller verbindet, zu schmal dafür gewesen sein. Spätestens an der Verbindungstür vom Stollen zum Keller käme ein Fuhrwerk nicht weiter, denn die Tür hat nur eine Breite von 1,20 m. Es ist eher anzunehmen, dass an der Einfahrt, die man auf einer künstlich angelegten  Rampe erreicht, die Weinfässer abgeladen und dann durch den Stollen in den Keller gerollt wurden). Auf dem Plan ist schön zu erkennen, dass ein Treppenaufgang zum Gebäude und eine Auffahrt zum Keller von der Straße her noch nicht existierte (Es ist aber anzunehmen, dass eine Auffahrt zum Keller schon existierte, da sonst der Kellereingang nicht zu erreichen und somit funktionslos wäre.). Zufahrten und Zugänge zum Grundstück gab es laut Plan drei. Zum einen die noch vorhandene Zufahrt östlich des Grundstückes am Höllenweg. Als zweiter Eingang wird ein Treppenaufgang am östlichen Grundstückende der Südseite genannt und sowie eine Einfahrt an Westseite des Grundstückes. Diese Einfahrt geht anhand des Planes durch das Gebäude C, das sogenannte Winzerhaus. Des weiterem sind noch vier Weinberghütten eingezeichnet, wobei das nördlich vom Schenkhaus liegende heute noch vorhanden ist (in einem sehr schlechten Zustand). Von einem weiteren Weinhaus kann man nur noch den genauen Standort bestimmen. Da wo heute die sogenannte „Napoleonlinde“ steht, befand sich, vom „Lusthäuschen“ (K) nordwestlich aus gesehen, eine Weinberghütte.

Das Haus B, bei der Bevölkerung als Jägerhaus noch bekannt und nach einen Notabriss (Im Haus wurde eine vorhandene Wasserleitung zerstört. Durch das stundenlang herausströmende Wasser wurde das Gebäude so unterspült, dass das Haus den Hang herabzustürzen drohte. Die starke Rissbildung am Haus, die sich immer weiter ausdehnte, machte einen Notabriss nötig.) 1991 ebenfalls nicht mehr vorhanden, wird in seiner damaligen Funktion als Weinschenkhaus bezeichnet.




Kleines Weinberghaus oder Weinschenkhaus


An weiteren Gebäuden wird noch ein Bienenhaus genannt. Im Plan selber sind noch weitere kleinere und mittelgroße Gebäude eingezeichnet aber nicht weiter bezeichnet. Ein Backofen (E) und eine sogenannte Lustnische (F) im westlichen Teil des Grundstückes sind auch heute noch vorhanden, leider in einen sehr schlechten Zustand. Ebenfalls noch erhalten ist der Keller (D) südwestlich des Backofens.



Links Backofenanlage, rechts „Lustnische“


Am nördlichen Anschluß des Wohnhauses wurde, im Sinne der damaligen Gartengestaltung, eine kleine barocke Gartenanlage angelegt. Kleine in den Garten eingezeichnete Quadrate können als Sockel für Skulpturen oder Steinvasen gedeutet werden (Das ist auch auf weitere östlich eingezeichnete Quadrate anzunehmen.). Zum Teil waren diese bis Anfang der 90er Jahre, wenn auch an anderen Stellen, noch vorhanden. Diese sind auf unbekannte Weise verschwunden (Dem Autor sind zwei Steinvasen und zwei lebensgroße Figuren, welche an den beiden Giebelseiten des Wohnhauses standen, noch in Erinnerung. Eine der Figuren kann man auch auf älteren Abbildungen noch erkennen.). Zu dieser Gartenanlage gehört als nördlicher Abschluss ein Lusthaus mit Sitz (K).


Detail einer Steinvase

Zwei Steinvasen am Treppenaufgang(nur Reste erhalten)


Der Weinberg selbst ist durch unregelmäßige, in West – Ost – Richtung verlaufene Terrassen und Wege untergliedert, die durch einige in Nord – Süd -  Richtung verlaufende Wege geteilt sind. Die verschieden große Unterteilung ist wahrscheinlich auf die unterschiedliche  topographische Voraussetzung des Hanges zurückzuführen.
Die Weinanpflanzung war ursprünglich durch Baumplantagen und Ackerland umlaufend eingeschlossen. Um welche Baumarten es sich dabei handelt, ist nicht bekannt, doch dürfte es sich bei einem Teil um Obstbäume handeln. An der südlichen Randzone kann man von einer Pflaumenplantage ausgehen, da in diesem Bereich noch ein größerer Bestand an Altbäumen existiert.
Zur nördlichen Ausdehnung des Grundstückes ist anzumerken, daß das Grundstück ursprünglich bis an den heutigen alten Sportplatz ging. Wo sich heute eine größere Wiesenfläche befindet, da wurde ehemals Wein angebaut.
Ebenfalls gab es einen Kräutergarten der sich vom Wohnhaus bis zum Schenkhaus hinzog.
An angebauten Rebsorten wird in den älteren Publikationen immer der Burgunder angegeben (I. Bach, 1100 Jahrfeier, Festbroschüre, 1985). Ob noch andere Rebsorten angebaut wurden ist unbekannt. Dies müsste von einem Sachverständigen untersucht werden, denn nach Begehungen 1991 und 2000 konnten einige alte Rebstöcke lokalisiert werden. Ebenfalls nicht ganz geklärt ist wie lange der Weinanbau betrieben wurde. In der Literatur wird das letzte Jahrzehnt des 19.Jh. für den Niedergang des Weinanbaues angegeben. Verantwortlich dafür wird die damals aus Frankreich eingeschleppte Reblaus gemacht. Die mehrere Jahre auftretenden Schäden waren so groß, daß sich ein Neuanfang nicht mehr lohnte. Der Wein selber soll, nach Angaben älterer Schriften, von einer sehr guten Qualität gewesen sein (Otto, G.E.,1796). Gerade in der Zeit des Kommissionsrates Lazer, dem das Weingut ja seinen Aufschwung verdankt, erreichte der Wein eine bis dahin nie erreichte Qualität. Der Weinanbau hatte so einen großen Einfluß genommen, daß sogar das Gemeindesiegel seit 1849 mit einem Rebstock verziert wurde (Auch in anderen Orten, wo man Weinanbau betrieb, wurde das Gemeindesiegel mit Symbolen des Weinanbaus verziert. Unter anderen in Goseck (seit 1730), Großjena (seit 1814), Niedertrebra (seit 1693), um nur einige zu nennen.).





Gemeindesiegel von 1749



Die Wasserversorgung des Grundstückes, besonders des Wohnhauses, wurde durch einen  Brunnen, der sich links (westlich) neben dem Wohnhaus befand, abgesichert. Um auf den Grundwasserspiegel zu stoßen, mußte der Brunnen wenigstens eine Tiefe von 10 m besitzen. Der Brunnen  existiert heute noch (Der Brunnen ist jetzt mit einer Abdeckung versehen.). Ausgemauert wurde er mit behauenen Sandsteinen. Die Tiefe bis zum Wasserspiegel betrug bis vor 3 Jahren noch ca.9,60 m.
Ein größerer Scheunenkomplex (Die Scheune hatte eine Länge von 28 m und eine Breite von 8,50 m.) welcher sich in geringem Abstand vom Wohnhaus befand, ist ebenfalls 1999 abgerissen worden. Das Baudatum ist nicht bekannt, doch dürfte eine
Errichtung in der Mitte des 19. Jh. erfolgt sein. Weitere, später erbaute Nutzgebäude, wie Waschhaus und neues Klohäuschen, gibt es ebenfalls nicht mehr.




Nebengebäude hinter dem Haupthaus

Haupthaus


Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die wechselvolle und interessante Geschichte eines Markwerbener Grundstückes im letzten Jahrzehnt des 20. Jh., zum Teil aus Desinteresse an der eigenen Geschichte, zu Ende ging. Es ist natürlich auch klar, daß ein so großes Grundstück, nur aus reiner Sympathie, nicht erhalten werden kann. Doch wäre es auf jeden Fall möglich gewesen, die beiden geschichtsträchtigen Hauptgebäude vor dem Abriß zu bewahren.

 

Literatur

Otto, G. E., „Geschichte und Topographie der Stadt Weißenfels“, Weißenfels 1796

Bach, Ingo, „1100 Jahrfeier, Festproschüre“, Naumburg 1985

Schäfer, Ottmar, Weißenfelser Tageblatt, ca.1919-1925

Denkmalverzeichnis Sachsen–Anhalt, Bd.3, Lkr. Weißenfels, 1994

Markwerbener Chronik, Computerausdruck, Chronik wurde durch ABM–Mitarbeitern zwischen 1993- 1997 erarbeitet, Grundstock bildet die oben angegebene Literatur,
Chronik liegt in der Gemeindeverwaltung Uichteritz

Bähringer, August, „Improvisiertes, poetisches Panorama von Weißenfels“, Magdeburg 1833

Coburger, Dieter, „Tausend Jahre mit Karst und Gippe“, Naumburg 1993

Knauth, Fred, „Weinstöcke stehen noch,“ Mitteldeutsche Zeitung, 1998

Nier, Alfred, „Lebensbaum und Lebensrune, Dorfsiegel zeigen alte germanische Sinnbilder“,
Weißenfelser Tageblatt vom 9.7.1941

Fakten zu Markwerben

Seit dem 1.1.2010 Ortsteil von Weißenfels.

Amtliche Bezeichnung: Stadt Weißenfels - OT Markwerben

Einwohner (Stand Januar 2016): 613

Fläche: 3,77 km²

Postleitzahl: 06667

Vorwahl: 03443

KFZ-Kennzeichen: BLK / WSF

Ortsbürgermeister: Günter Fabig - Salpeterhütte 9

Koordinaten:

Länge: 11.9333/ 11° 55` 60“

Breite: 51.2167/51° 13` 0“

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