Die Baugeschichte der Kirche

von Mike Sachse (2012)

 

Die Kirche wurde im Jahre 1231 erstmals schriftlich erwähnt. In einer Urkunde verkauft der Erzbischof Albert von Magdeburg das Patronatsrecht 1231 an das Kloster Neuwerk vor Halle. (cf. Dreyhaupts Beschreibung des Saalkreises pag 810). In einer weiteren frühen Urkunde von 1273 erlaubt Ehrenfrid Canonicus zu Merseburg und Pfarrer zu Markwerben die Gründung eines Hospitals in seinem Pfarrsprengel vor der Weißenfelser Brücke durch den Markgrafen Dietrich von Landsberg und seine Gemahlin Helena.

Die Ursprünge der Kirche reichen aber einige Jahrzehnte weiter zurück. Aus der romanischen Entstehungszeit ist noch der Chorturm mit Drillingsarkaden auf Würfelkapitellen im Obergeschoss der Süd- und Ostseite erhalten. Von der ursprünglich vorhandenen Apsis erkennt man im Inneren den vermauerten Bogen mit profilierten Kämpfern. Weiterhin sind in der Turmhalle, die heute als Sakristei genutzt wird, noch kleine, später vermauerte romanischem Fenster erkennbar. Ebenfalls erhalten hat sich eine spitzbogige Sakramentsnische mit stuckierter Rahmung. Sie befindet sich in den zugemauerten Apsisbogen des Chores. Datiert wird die Sakramentsnische in das 15.Jh./ Anfang 16. Jh.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wird die Kirche 1631 fast vollständig zerstört, nur der Turm blieb stehen. Wegen Geldmangel konnte der Neubau des barocken Kirchenschiffes erst nach über hundert Jahren erfolgen. 1741 ist der Bau vollendet (davon Zeug die Jahreszahl über den Südeingang). Wo die Kirchenmitglieder in dem Zeitraum ihren Gottesdienst abhielten ist nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass man in Uichteritz am Gottesdienst teilnahm.

1675 wurden die mittlere und die kleine Glocke in Magdeburg gegossen. Die Inschrift der mittleren lautete: „Bei Zeiten Tit. Herrn Johann Schieferdeckers Superint. Zu Weißenfels, M. Friedrich Wolfen Pastor.

Die Inschrift der kleineren lautete: „Christopf Emmerling Schulm. Matias Hoffmann Kirchv. Jacob Wenzel Me fecit MDCLXXV“.

1719 spendende Jacob Seume 10 Mtl. zur Beschaffung einer Turmuhr oder eines Orgelwerkes. Aber erst 1726 konnte eine Uhr angeschafft werden. Am 15. Juni 1727 sprang die große Glocke. Eine neue Glocke (Dm. 93 cm) wurde von Johann Cristian Fischer in Zeitz gegossen. Die Inschrift lautete: „ Durch des Künstlers Kunst und Thaten bin ich also wohl gerathen. Die Glocke lockt, Kommt Arm und Reich. Folgt Gottes Wort, bekehret euch; Ruft: Gott, erhalt dein Wort im Lande, Giebt Fried und Glück zu allem Stande. Ach Gott, erhöre dieses Flehn Und laß es Groß und Klein wohlgehn. Indultu serrenissimi principis ac domini Dn. Christiani, ducis Saxon, Juiae, Cliviae, Montium etc. Joh. Mich. Schumanno Superint. Georgio Guilhelm. Dathio praefecto. M. Joh. Paulo Beckero pastore, suntibus. Ecclesiae et Parochiatium refusa a Joh. Christ. Fischero Cizae anno M.D.CCXXVII.

1795 wurde die mittlere und kleinere Glocke bei den Gebrüdern Ulrich in Laucha neu gegossen (Durchmesser 76 und 64 cm). Die Inschrift lautete: „Me fuderant Fratres Ulrich Lauchae anno MDCCVC“. Warum man beide Glocken neu Gießen ließ ist nicht bekannt.

Von den ursprünglich drei Kirchenglocken aus den Jahre 1727und 1795 wurden zwei im ersten Weltkrieg (1915) abgegeben und eingeschmolzen. Am 1. Juli läuteten die Glocken das letzte Mal. Die dritte wurde 1924 verkauft, um mit dem Erlös und mit Spenden neue Glocken anzuschaffen. Rund 250 Markwerbener spendeten zum Teil größere Beträge für die Anschaffung. Die vier neuen Stahlglocken (es,g,b,c) wurden in Apolda von der Firma Schilling gegossen. Am 21. September fand die Weihe der vier Glocken, durch Pfarrer Richter, statt. Die Gesamtkosten betrugen 4.145,35 Mark. Davon entfielen 2.200 Mark auf die Glocken selbst. Das Gewicht der Glocken:

es: 1908 kg

g: 891 kg

b: 508 kg

c: 361 kg

ges. 3668 kg

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig (14.- 19. 10. 1813) wurde die Kirche durch die zurückziehenden Napoleonischen Truppen im Inneren vollständig zerstört. Zwei Jahre später am 13.11.1815 konnte die Kirche neu eingeweiht werden. Durch den Orgelbaumeister Louis Poppe aus Stadtroda (1779-1859) wurde 1818 eine neue Orgel eingebaut. Im gleichen Jahr erfolgte der Einbau der Emporen. Während des 1. Weltkrieges (26. Juni 1917) wurden die die Orgelpfeifen durch den Orgelbaumeister Ladegast ausgebaut und verkauft. Für die insgesamt 23 kg Metall kam ein Erlös von 138 Mark zustande. Erst um 1924 ersetzte man die fehlenden Pfeifen durch Neue. Eine erste größere Säuberung und Instandsetzung der Orgel erfolgte ca. 1936 durch den Orgelbaumeister Rudolf Kühn (Merseburg). Eine weitere Reparatur wurde im Jahre 1966 durch den Orgelbaumeister Schönefeld durchgeführt. Die Kosten betrugen 2.911 Mark. Die letzten Arbeiten an der Orgel erfolgten 2007 durch Mitarbeiter und Studenten der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Halle. Die Orgel verfügt über rund 500 Pfeifen, zwei Pedal- und acht Manualregister. Das Gebläse wird mit einem Motor angetrieben.

Im Jahre 1830 erhielt die Kirche einen neuen Taufstein?

1863 werden zwei große Dachfenster im Dachboden eingebaut, um so das Vermodern der Dachbalken zu verhindern.

1871 wurde die Kirche umfassend renoviert. Innen neu ausgemalt (blau, schwarz abgesetzt).

1890 wurde durch ein Unwetter welches mit starkem Sturm daher kam, die Turmspitze stark beschädigt. Wahrscheinlich noch im gleichen Jahr wurde der Schaden behoben.

1922 musste ein Anker in die westliche Giebelwand eingezogen werden, da diese abzubrechen drohte.

1927 wurden durch die Baufirma Hoffmann die Außenwände und der Kirchturm neu verputzt.

1928 erhielt die Kirche eine elektrische Beleuchtung. Die Arbeiten erledigte die Firma Wengler. Rund 300,- Mark mussten dafür aufgebracht werden. 1935/36 wurde an der Nordwand der Kirche eine Drainage (außen), um die Wand innen trocken zu legen. Dafür wurde Innen der Putz bis auf einer Höhe von 2 m abgeschlagen. 1936 wurde die Kirche im Inneren renoviert. Die Leitung der Bauarbeiten übernahm der Regierungsrat Dr. Claussen vom Preußischen Staatshochbauamt in Merseburg. Im Zuge der Renovierung erfolgte die Umgestaltung des Altars und der Ausbau der früheren Sakristei zur Taufkapelle. Die Maurerarbeiten wurden durch die Firma Tuch aus Weißenfels und die Zimmermannsarbeiten durch den Tischlermeister Wehmann aus Markwerben erledigt. Die Ausmalung der Kirche entwarf der Kunst- und Kirchenmaler Franz Dublick aus Halle. Mit der Ausführung der Arbeiten wurde zum Teil der hiesige Malermeister Cramer beauftragt.

Bei dem Umbau des Altares entdeckte man eine Inschriften am oberen Altaraufsatz, die folgt lautet: „Zu weißen angefangen den 27ten Juni 1871 und vollendet den 14ten Juli 71. Geweißt und sogleich mit gemalt von mir nächst Gott (mit Gottes Hilfe!) Endesunterschriebenen in meinem 62ten Jahre Carl Rothe senior, Maurer“. Die Tischlerarbeiten erledigte damals der Meister Ley aus Weißenfels.

1991- 1993 wird das Dach und die Außenfassade erneuert.

2002 kommt es noch einmal zu umfangreichen Arbeiten an dem Dach des Kirchenschiffes.

Literatur und Quellen

  • Handschriftliche Chronik, begonnen 1860 durch Pfarrer Kettner
  • Dehio, Sachsen-Anhalt II, Regierungsbezirk Dessau und Halle, Deutscher Kunstverlag 1999
  • Urkundenbuch des Hochstifts Merseburg, Erster Teil (962-1357), Herausgegeben von der Historischen Commission der Provinz Sachsen, Halle 1899
  • Orgelkartei im Kirchenarchiv Markwerben
  • Baudenkmale im Landkreis Weißenfels, Sommer, 1880
  • Kirchen- und Schulchronik der Stadt und Ephorie Weißenfels seit 1539…., M. Gustav Heinrich Heydenreich, 1840
  • Die Inschriften des Landkreises Weißenfels, Gesammelt und Bearbeitet von Franz Jäger, Wiesbaden 2005

Fakten zu Markwerben

Seit dem 1.1.2010 Ortsteil von Weißenfels.

Amtliche Bezeichnung: Stadt Weißenfels - OT Markwerben

Einwohner (Stand Januar 2016): 613

Fläche: 3,77 km²

Postleitzahl: 06667

Vorwahl: 03443

KFZ-Kennzeichen: BLK / WSF

Ortsbürgermeister: Günter Fabig - Salpeterhütte 9

Koordinaten:

Länge: 11.9333/ 11° 55` 60“

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