Die Befestigungsanlage auf dem Gotthardsberg

Von Mike Sachse (1991, überarbeitet 2012)

 

In einem vom Ende des 9. Jahrhunderts stammenden Hersfelder Zehntverzeichens (das in die spätkarolingische Zeit fällt) werden 18 urbes aufgezählt. Unter anderem wird eine Burg (Uuribiniburg) zweimal aufgeführt. Die eine Burg befindet sich in Burgwerben, die andere konnte auf dem Gotthardsberg in Markwerben gefunden werden. Dieses Burgensystem, das unmittelbar westlich der Saale lag, bestand aus fünf Burgen, beziehungsweise aus sechs, wenn man die zweite Wirbinburg der Burgenreihe (880 - 899) nicht als Wiederholung, sondern als selbständige Burg (Mark)- Werben neben (Burg)-Werben ansieht. Diese Burgen, die sich in Goseck, Markwerben, Burgwerben, Merseburg, Halle und Wettin (später noch in Schkopau) befanden, zeichnen sich durch den geringen Abstand untereinander aus. Die Abstände betragen (Luftlinie) 5,2 - 3,2 - 14,8 11-10 km. Diese Burgen sollten die fränkische Grenze gegen die slawischen Einwanderer schützen, denn schon vor 780 waren sorbische Bevölkerungsteile über die Saale bis zur Westgrenze vorgedrungen. Die Durchsetzung der fränkischen Macht erreichte in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts ihren Höhepunkt, als Karl der Große die sächsischen Gebiete nördlich und nordwestlich des Harzes eroberte, und fand mit der Errichtung des Bistums Halberstadt um 800 ihren Abschluss. Die Ostgrenze des fränkisch-karolingischen Reiches wurde seit dem letzten Viertel des 8. Jahrhunderts durch Saale und Elbe gebildet. Auf Grund wissenschaftlicher Nachforschungen kann man annehmen, dass die Burgen und die zugehörigen dörflichen Siedlungen im Wesentlichen bereits vor 780 vorhanden waren. Man geht unter anderem von einer Urkunde aus dem Jahre 780 aus. Auch wird aus den übrigen bekannten geschichtlichen Tatsachen klar, dass die Eingliederung des Landes westlich der Saale und der mittleren Elbe in das fränkische Herrschaftssystem im Jahr 780 vollendet war. Die Befestigungsanlage in Markwerben liegt auf dem Ende einer nach Westen vorspringenden Bergzunge unmittelbar nördlich des Dorfes, dem Gotthardsberg. Durch einen tiefen, ursprünglich vielleicht natürlichen Graben, der jetzt als Hohlweg benutzt wird, ist eine ovale Höhe von etwa 90 x 180 m herausgeschnitten. Eine Terrasse trennt einen kleinen östlichen Teil von einem größeren Teil. Auf der weiter östlich sich verbreiternden Bergzunge ist durch einen gebogenen Graben noch eine Vorburg abgetrennt, in die eine deutliche Erdbrücke hineinführt. Die Burg war, wie in dieser Zeit und unserem Gebiet üblich, mit einer Holz-Erd-Befestigung gesichert. Wie lange diese Burganlage in Benutzung war, kann man nicht eindeutig festlegen, sie wird aber spätestens ab Mitte: des 11. Jahrhunderts ihre Bedeutung verloren haben und aufgegeben worden sein. Man muss jedoch noch hinzufügen, dass die Burg in Markwerben noch nicht durch archäologische Ausgrabungen nachgewiesen würde. Auch ist bis in die heutige Zeit sehr wenig Fundmaterial vorhanden, das den Gotthardsberg als Befestigungsanlage ausweist. Bis jetzt belaufen sich die Funde auf eine verzierte und drei unverzierte mittelslawische Scherben, sowie auf rotbraune und blaugraue deutsche Scherben des 12.-13. Jahrhunderts. Letztere Funde liegen jedoch schon außerhalb der Nutzung des Berges als Burg. Des weiteren wurden 1882 und 1883 durch den Gutsbesitzer Tünschel dem Altertumsverein in Weißenfels verschiedene Gegenstände übergeben. Es handelt sich hierbei um Urnenscherben mit Burgwallornamenten, ein Knochengerät mit scharfer Spitze, unverzierte Urnenscherben, sowie Tierknochen und Zähne. Der Schuhmachermeister Schmidt schenkte ebenfalls 1883 dem Altertumsverein zwei Spinnwirtel und Urnenscherben, die er in einer Kiesgrube in der Nähe des Gerichtsplatzes fand. Leider sind diese aufgezählten Funde verschollen oder wegen der Nichtbeschriftung nicht mehr zu lokalisieren. Wie schon zu Anfang angedeutet, beruhen die Beweise dafür, dass sich auf dem Gotthardsberg eine Burg befand, auf alte Urkunden, Schriftstücken und Landkarten. Diese und noch andere hier nicht aufgezählte schriftliche Beweise wurden wissenschaftlich ausgewertet, und man kam zu dem Schluss, dass sich eine Burganlage in Markwerben befand. Vielleicht kann dieser Artikel auch die Gartenbesitzer, die auf dem Gotthardsberg ihren Garten haben, aktivieren, aufmerksamer beim Umgraben zu sein. Denn es ist mit großer Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, dass man auf Scherben, Gefäßteile oder andere Gegenstände aus jener Zeit stößt. Man sollte dann die zuständigen Fachstellen (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, die Denkmalschutzbehörde im Burgenlandkreis oder das Museum Weißenfels) benachrichtigen, damit diese den Fundplatz besichtigen und die nötigen Handlungen durchführen können. Auch ist es wichtig zu wissen, dass die Burganlage seit 1954 als Bodendenkmal unter Denkmalschutz steht. Zum Schluss möchte ich mich im Voraus bedanken, die die oben genannten Fachstellen mit unterstützen.

 

Fakten zu Markwerben

Seit dem 1.1.2010 Ortsteil von Weißenfels.

Amtliche Bezeichnung: Stadt Weißenfels - OT Markwerben

Einwohner (Stand Januar 2016): 613

Fläche: 3,77 km²

Postleitzahl: 06667

Vorwahl: 03443

KFZ-Kennzeichen: BLK / WSF

Ortsbürgermeister: Günter Fabig - Salpeterhütte 9

Koordinaten:

Länge: 11.9333/ 11° 55` 60“

Breite: 51.2167/51° 13` 0“

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